12/10/2005

Max Valier

"UNSER MITSCHÜLER MAX VALIER"


Der Bozner Max Valier hat mit der Entdeckung des Rückstoßprinzips der Raumfahrt den Weg geebnet. In Erinnerung an den Raketenpionier fanden vom 15. bis 17 Mai die Memorial-Days mit dem Namen "Unser Mitschüler Max Valier"statt. Das Event wurde vom Franziskanergymnasiums, dem Kuratorium für technische Kulturgüter und der Stadt Bozen veranstaltet.

In diesen drei Tagen konnte man im Franziskanergymnasium an Führungen durch die historischen Lehrmittelräume für Naturkunde und Physik teilnehmen, es wurde der Film "Der Flug von Max" von Lino Signorato und Giorgio Mezzalira vorgeführt, es gab eine Diskussion mit internationalen Raumfahrtexperten und die Möglichkeit, einen Blick durch die Teleskope der Amateurastronomen "Max Valier" zu werfen.

Neugierig? Dann steigen sie ein...
Genie oder Spinner?
Max Valier Heute – über 70 Jahre nach seinem Unfalltod – gilt er als einer der Väter der Raumfahrt, als Vorreiter der großen Weltraumabenteuer des späten 20. Jahrhunderts und der heutigen Zeit. Das war nicht immer so.

Früher betrachteten viele Zeitgenossen seine Idee von der Fahrt zum Mond als „Spinnerei“, nahmen ihn nicht ernst, fanden seine Projekte nicht finanzierungswürdig und stempelten ihn als „Träumer“. Seine Visionen titelte man Hirngespinste, reine Schimären. Die Geschichte gab allerdings ihm recht, seiner Zukunftsorientiertheit, seinem missionarischen Eifer bei der Entwicklung des Raketenbaus, seinem Enthusiasmus bei der Suche nach theoretischen und praktischen Lösungen seiner vielen Fragen. So bildet seine Arbeit zum Rückstoßprinzip den Grundstein für die spätere Raumfahrt.

Was ihn aber umso mehr zum Held macht, ist sein früher Tod während eines waghalsigen Experiments; ein Fehler, der ihn zu einem der ersten Opfer der Raumfahrt macht. Vom Zeitzeugen Walter Boeltz stammt die vielsagende Aussage: "Max Valier unterscheidet sich grundlegend von anderen Männern der Rakete: er war Astronom - nie hat er im Sold eines Kriegsministeriums und nie für kriegerische Zwecke an der Rakete gearbeitet; er glaubte, dem Frieden auf Erden zu dienen, indem er den Blick der Menschen in die Weiten des Weltalls lenkt; dadurch, so hoffte er, werden sie Zank und Krieg vergessen; in seinem tatenfrohen Idealismus Otto Lilienthal vergleichbar, stirbt er für die große Idee, der er sein Leben geweiht hat."


Der Weg zu den Sternen sind die Raketen. „Troubadour der Sterne“ nennen ihn seine Studienkollegen an der Universität. Doch Valier geht tatsächlich daran, ein Raketen-Konstrukteur zu werden. Elfriede Gugler Pollmann, Tochter des Bozner Feinmechanikers, bei dem sich Max das Rüstzeug für seine Experimente holt und bei dem er noch während seiner Gymnasialzeit die ersten Versuche macht, berichtet davon, dass ihre Mutter es gewohnt war, ihren Mann spät zum Mittagstisch zu begrüßen. Sie sprach sogar öfter davon, dass der junge Valier mit ihrem Mann bastele und sie daher nicht mit seiner Anwesenheit beim Essen rechnen könnten. „Essen wir, die basteln noch. Eines Tages werden Sie uns mit ihren Basteleien noch in die Luft jagen“ soll sie mehrmals geäußert haben.
Gottfried Mumelter, Freund des Neffen von Max, mit Wittfrieda Mitterer vom Kuratorium für technische Kulturgüter

Die (verwehrte) Popularität. Der Zeitzeuge Gottfried Mumelter, Mitschüler und Freund des Neffen von Max, Willy Valier, hingegen erinnert sich daran, dass der heute prominente Bozner Valier als Erfinder von seiner Heimatstadt früher gänzlich unterschätzt war. In der Lokalpresse gab es kein Echo auf seine Erfolge, und es waren keine von Valiers Veröffentlichungen zugänglich. Mumelters Wissen über Valiers Raketenexperimente habe er allein aus den Erzählungen seines Schulfreunds Willy Valier.
Heute noch ist Max Valier in Südtirol weniger bekannt als im Ausland. Nach ihm benannt sind nachweislich Straßen in Bozen, Meran, Lana, Seis, Glurns und Auer, darüberhinaus die Gewerbeoberschule Bozen und der Verein der Amateurastronomen Südtirols. Eine Gedenktafel an seinem Geburtshaus in Bozen (heutiger Sitz der Südtiroler Marketing Gesellschaft) macht ihn zum berühmten Stadtbürger. In München, wo Valier nach dem Studium lebte und in Berlin, wo er starb und begraben ist, gibt es Straßen und Gedenktafeln, und einige seiner Raketenmodelle sind im Deutschen Museum München ausgestellt. Was ihn abermals zum Sonderling unter den Erfindern und Astronomen stempelt, ist die Verwendung seines Namens im Weltall, als Anerkennung für sein Lebenswerk: 1970 hat die Internationale Astronomische Union, Dachverband der Astronomischen Gesellschaften von 42 Staaten, einem Krater auf der erdabgewandten Seite des Mondes den Namen Max Valier gegeben.
Siegfried Steinegger von den Amateurastronomen
Realitätsfremd – nein! Max Valier war alles andere als ein vergeistigter Forscher. Seinen feurigen Eifer im Ergründen von astronomisch-technischen Geheimnissen paarte er mit einem ausgeprägten Sinn fürs Geschäft, mit einem Wissen um Werbeeffekte und Marketingstrategien. Später hat er, wenn auch vom Pech verfolgt, immer wieder Sponsoren für seine Unternehmungen gefunden. Und als junger Mann soll er in Bozen Geld für Bücher und Experimente durchs Schreiben und durch originelle Marktideen verdient haben: Er habe des öfteren am Waltherplatz ein Teleskop aufgestellt, Passanten zu den Sternen hinauf schauen lassen und dafür 20 Heller kassiert. (Zeitzeugenaussage, notiert von Siegfried Steinegger)
Nicht nur Vordenker, auch Mann der Tat. Was Max Valier von vielen anderen seiner zeitgenössischen und späteren Weltraumforscher aber letztlich unterscheidet ist sein Mut zum Risiko und das Vereinen von Theorie und Praxis: Er rechnete, zeichnete und plante, er setzte seine Ideen aber auch in Tests um. Was in Europa Valier, versuchten beinahe zeitgleich in den USA Robert Goddard und in Russland Konstantin Ziolkowski. Die Motivation war für alle dieselbe, in den Weltraum vorzudringen. Doch Valier versuchte sich unter abenteuerlichen Bedingungen im Umsetzen der Idee und war mit seiner Flüssigstoffrakete ganz nahe am Durchbruch, an der Verwirklichung seiner Träume.

Ein Träumer war er somit tatsächlich, aber im positiven Sinn: ein unbändiger Idealist voller Tatendrang, der die Sterne erreichen wollte und ihnen ein Stück näher kam, indem er durch seinen Raketenbau in den Weltraum vorpreschte.

Die Biografie

Das Abenteuer Leben


Die Eckdaten: Geboren wurde Max Valier am 9. Februar 1895 in Bozen, im Haus Wachtler am Pfarrplatz 21 (heutiger Sitz der Südtirol Marketing Gesellschaft/Gedenktafel). Sein Vater, Edmund Valier, war ein Wiener Konditor. Die Mutter, Olga Wachtler, eine Boznerin.
Gestorben ist Valier am 17. Mai 1930 in Berlin, bei der Explosion einer Brennkammer an seinem Raketenwagen. Sein Lebenstraum war der Bau einer Rakete, die Menschen ins Weltall gebracht hätte. Er blieb diesem Traum 35 Jahre lang treu und entwickelte nach dem Studium trotz großer finanzieller Schwierigkeiten seine Idee weiter.
ETAPPEN EINES LEBENS
Bozen – Die Franziskanerschule
Um 1910 besucht Valier die Franziskanerschule in Bozen. Dort findet er in seinem Griechischlehrer Pater Joachim seinen ersten verständnisvollen Förderer. Der Physikunterricht beflügelt ihn, das Teleskop im Dachboden des Großvaters ist sein nächtlicher Begleiter. Für die Schulzeitung „Mentor“ und für das „Tiroler Volksblatt“ schreibt er schon Beiträge über Astronomie. Mit dem verdienten Geld kauft er sich Astronomiebücher. Auch arbeitet er in der Freizeit bei einem Feinmechaniker, wo er handwerkliches Können erwirbt, um seine Instrumente und Modelle selbst zu bauen.
Innsbruck – Die ersten Studienjahre
1913 inskribiert er Astronomie, Physik, Mathematik und Meteorologie an der Universität Innsbruck und verbringt viele Nächte in der Innsbrucker Sternwarte. Sein Ziel ist der Mond und weniger die Raumfahrt als solche. Er wohnt bei seinem Onkel und Taufpaten Gotthard Valier in der Maximilianstraße 27. Dieser finanziert ihm auch das Studium und nimmt ihn immer wieder unter seine schützende Fittiche, wenn Max negativ auffällt. 1914 bringt er beispielsweise ein kleines Modellflugzeug mit drei Feuerwerkraketen zum Fliegen. Da gerät er in Schwierigkeiten mit der Polizei wegen „Störung der öffentlichen Ordnung“. Sein Onkel, Konditor und Gemeinderat in Innsbruck, genießt öffentliches Ansehen. Er rettet ihn vor einer Anzeige. Heute noch gibt es die Innsbrucker Valier-Linie, eine Konditorenfamilie. Der heutige Nachfahre, Gotthard Valier, ist das Enkelkind des genannten Onkels, ein eifriger Valier-Dokumente- und Foto-Sammler, der über seinen Großvater viele Anekdoten um den Pionier der Weltraumfahrt kennt, u.a. die Geschichte um den Zorn des Alten gegenüber Max‘ Weigerung, seine Diplomarbeit über die wissenschaftlich umstrittene Welteislehre aufzugeben. Es zeichnete sich 1919 ab, dass ihm ein Studienabschluss verwehrt bleiben würde. Max schrieb dann eine zweite Arbeit ganz nach Universitätslehre, um seinem Onkel einen Gefallen zu machen.
Die Kriegsjahre an der Front
1915 rückt Max in den Krieg, als Leutnant im österreichisch-ungarischen Heer. An der russischen und dann rumänischen Front wird er als meteorologischer Beobachter, als Pilot und Fahrzeugtester eingesetzt. Sogar in den Kriegswirren gibt er seine Raketenpläne nicht ganz auf und erläutert dem Kriegsministerium auf Postwegen seine Pläne. Die Antwort lässt auf sich warten, das Kriegsende kommt schneller. In Briefen an seinen Onkel beschreibt er hingegen die Greuel der Kriegsgewalt und seine wechselvollen Gemütszustände. Kurz vor Kriegsende stürzt sein Flugzeug von rund 3000 Metern ab, Max überlebt den Sturz mit einem Fallschirm.
Wien – Der Studienabschluss
Ab 1919 studiert er in Wien Astronomie weiter. Sein Wunschthema über die umstrittene, als esoterischer Unfug geltende Welteislehre (1913) von Hans Hörbiger entfacht einen wissenschaftlichen Disput über Valiers Ansatz und fordert die offizielle Universitätslehre heraus. Die Welteislehre besagte, dass das Eis im Weltall die Ursache vieler bislang ungeklärter Phänomene sei, des Wesens der Sterne, der Zusammensetzung des Mondes. Max fällt bei der Diplomprüfung durch. Er bittet seine Stiefschwester Martha, die ihm bisher stets bei seinen Jugendplänen geholfen hatte, ihm nach Wien zu folgen und ihn zu unterstützen. Die Familie ist jedoch dagegen. In dieser Zeit lernt er seine spätere Frau kennen.
Die Ehe mit Hedwig Bucek
Hedwig Bucek Alden stammt aus Breslau, ist 10 älter und geschieden. Mit Max teilt sie die Leidenschaft für die Wissenschaft und die Metaphysik. Erst 1921 erhalten sie die Einreiseerlaubnis nach Südtirol, seit 1919 italienisches Staatsgebiet. Zwei Tage nach dem faschistischen Mord an den Marlinger Lehrer Franz Innerhofer heiraten die beiden am 26. April 1921 in Bozen, in der evangelischen Kirche. Das Paar kehrt bald nach Deutschland zurück, denn dort wähnen sie die Zukunft. In München leben sie in einer Zeit der wirtschaftlichen Rezession, aber fiebernden Aktivität. Hedwig unterstützt Max‘ Unternehmungen, so dass er sich Hals über Kopf in die Verwirklichung seines Traumes stürzen kann: die Entwicklung des Raketenflugzeugs. Sie wechseln oft den Wohnort, führen auch aufgrund finanzieller Engpässe ein unstetes Leben. Hedwig versteht es, ihren Mann zu beraten und in Szene zu setzen, ist vermutlich seine erste Sponsorin und scheut es nicht einmal, sich in einer Testvorführung in einen von Valiers Raketenschlitten zu setzen, Beweis ihres Muts und ihres praktischen Sinns fürs Werbegeschäft (die Zeitungen sind voll von Fotos der waghalsigen Frau des Raketenpioniers), aber auch von Max‘ Leichtsinn und Risikobereitschaft.
Ein Leben als Erfinder, Forscher, Astronom und SchriftstellerSeine Stationen sind München und später Berlin. Über Wasser hält sich Max hauptsächlich durch seine rege Vortragstätigkeit und durch das Verfassen technisch-wissenschaftliche Studien über Flugzeuge. Der Militarismus und die Gedanken der sich formenden NSDAP interessieren ihn nicht, als er aber in Zeiten der Inflation und sozialen Unsicherheit in einer Münchner Brauerei zufällig auf Hitler trifft, erahnt er Finanzierungsmöglichkeiten für seine Experimente und spricht ihn an. Hitler soll ich als „Phantasten“ vor seinen Offizieren ausgelacht haben. Die Wirtschaftsmisere der 20er Jahre macht ihm zu schaffen, trotzdem macht er sich als Forscher einen Namen, hauptsächlich über die Medien- und Vortragstätigkeit. Valier hilft einem Schriftsteller, Reinhold Eichacker, bei der Niederschrift von zwei science fiction Romanen. Valier liefert die technisch-wissenschaftlichen Hintergrundinfos, Eichacker dichtet dazu. Valier schreibt auch populärwissenschaftliche Werke über die Raumfahrt und das All, z.B. das „Sternenbüchlein für jedermann“ und „Vorstoß in den Weltenraum“, um sein Wissen einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Die Bücher sind erfolgreich und werden mehrmals aufgelegt. Seine zahlreichen Versuche muss er selbst bezahlen, was ihn in Schulden stürzt. So ist er die letzten zehn Jahre seines Lebens immer hin- und hergerissen zwischen dem teuren Experimentieren und der Öffentlichkeitsarbeit, die ihm Geld einbringt.
1927 gewinnt er seinen ersten großen Gönner und Sponsor für seine Pläne, den Autoindustriellen Fritz von Opel. Für Opel sind die sensationellen Raketenfahrten eine gute Werbeschiene. So finanziert er die ersten Raketenfahrten mit einem Raketenauto, das 230 kmh erreicht. Bald schon kommt es zum Zerwürfnis zwischen dem seriösen Forscher Valier und dem an der Sensation interessierten Opel, der selbst im Mittelpunkt stehen will und dem das Experimentieren zu langsam geht. Noch 40 Jahre später stellt sich Opel als Erfinder des Raketenautos dar, während er Valier nicht einmal erwähnt. Valier wendet sich enttäuscht ab. Dann lernt er Paul Hylandt kennen, den Chef der Gesellschaft für Industriegasverwertung. Dieser überbrückt eine kurze Zeit Valiers Finanzierungsschwierigkeiten; Valier benützt dafür einen Motor mit dem von Hylandt hergestellen flüssigen Sauerstoff. Als nächsten Sponsor gewinnt Valier den Generaldirektor der Shell, Sir Henry Deterding, der seine weiteren Versuche allerdings nur unter der Bedingung finanziert, dass Valier als Brennstoff Shell verwendet, d.h. Paraffin statt Spiritus. Valier stürzt sich nun auf die Idee, ein Flugzeug mit Rückstoßmotor zu bauen, das eine rasche Verbindung zwischen Calais und Dover ermöglicht.
Der Tod beim Experimentieren
Seinen Tod hat er in seinem Buch „Vorstoß in den Weltenraum“ gewissermaßen vorweg genommen, indem er vom Risiko sprach, das man als engagierter Forscher in Kauf nehmen müsse, um des technischen Fortschritts willen: „Für den Forscher selbst ist es ein harter Kampf, bei welchem ein jeder auch sein eigenes Leben einsetzen muss und auch gerne einsetzt, denn ein jeder weiß, dass nur durch die Anspannung aller Kräfte und im edlen Wettstreit der Geister dieses größte technische Problem gemeistert werden kann.“
Am 17. Mai 1930 verunglückt Max Valier tödlich in Berlin, bei der Explosion eines Versuchsmodells des Raketenschlittens „Valier Rak-Bob“ (Bild). Ein Metallsplitter der explodierenden Brennkammer trifft seine Lungenschlagader. Er wird in Berlin beigesetzt, wo er ein Ehrengrab der Stadt erhält.

Technik, die bleibt

Technik, Mittel zum Zweck


Plakat der Schüleraktion, gestaltet von Ludwig Thalheimer/Die Lupe, BZ Max Valier war ein Raketenpionier der ersten Stunde. Er gilt heute als einer der Ersten in Europa, der Raketenmotoren mit flüssigen Treibstoffen testete. Mit dem Start des ersten Raketenflugversuchs (11. Juni 1928), dem Bau eines Raketenschienenwagens, Raketenautos und eines Raketenschlittens konnte er seine Theorie vom Rückstoßprinzip beweisen.

Nach diesem Prinzip werden heute noch Raketen und andere Weltraumfahrzeuge angetrieben. Es handelt sich bislang um das einzig verwirklichbare Prinzip: Der Rückstoß von Gasen gibt Anschubkraft. Valiers Hauptverdienst sind die Arbeit an den Raketenaggregaten und die Errechnung von Schub und Leistung unter verschiedenen geometrischen Konfigurationen. Heute sind kleine Raketendüsen als „Valiers“ bekannt, z.B. auf den sowjetischen Raketen; ihre Aufgabe ist die Flugkontrolle. Valiers Arbeit bildet so die theoretische Grundlage für die heutigen Anwendungen.
Um die Raketentechnik in der Öffentlichkeit bekannt zu machen, versuchte man Raketenmotoren mit damals üblichen Verkehrsmitteln zu demonstrieren: Valier experimentierte mit Raketenantrieben an Flugzeugen, Autos, Schlitten und Schienenfahrzeugen, mit verschiedenen Antriebsarten und Brennstoffen. Dabei erzielte er beachtliche Fortschritte, die für die damalige Zeit als revolutionär gelten. Diesen Zweck hatte auch der RAK-7 (im Bild mit Max und seiner Frau). Mehrmals umgebaut diente er zuletzt der Vorführung eines kleinen Motors mit flüssigem Sauerstoff und Alkohol. Bei einem Prüflauf in seinem Labor in Berlin explodierte er und verursachte Valiers Tod.


Rak-7; Quelle: Deutsches Museum München Bereits in der Schule hatte sich Max Valier mit dem Rückstoßprinzip beschäftigt und kleinere Versuche mit Raketenantrieben gewagt. Einer Anekdote nach - dem heutigen Amateurastronomen Siegfried Steinegger erzählt von Walter Amonn und Georg Innerebner, Freunde Valiers - soll sich Max einer Tages mit Zuschauern zum Kalterer See begeben haben: „Eines Tages befestigte er eine Rakete an einem Boot und fuhr damit auf den Kalterer See hinaus. Dort zündete er die Rakete – das Boot explodierte und sank. Valier salutierte, während er unterging – er konnte ja schwimmen – und sagte: Aber meine Damen und Herren, ihr habt gesehn, es funktioniert!“


Hermann Oberth; Quelle: Oberth Museum Die Grundprinzipien der modernen Raumfahrt gehen auf Hermann Oberth zurück (Anfang der 20er Jahre), auch Konstantin Ziolkowski in Russland und Robert Goddard in den USA waren neben Valier Väter des Weltraumflugs. Im Unterschied zu den anderen hat Valier allerdings nicht nur mathematische Berechnungen und Theorien aufgestellt, sondern auch selbst experimentiert, hat den Mut und die Ausdauer gehabt zu riskieren und ist daran gestorben.
Hermann Oberth, ein deutscher Gymnasiallehrer für Physik und Mathematik, hatte 1924 ein Büchlein mit dem Titel „Die Raketen zu den Planetenräumen“ herausgegeben. Es handelte sich um einen Essay, der heute noch als Standardwerk der Raumfahrttechnik gilt, den Valier berauscht las und der ihn dazu leitete, gleich mit Oberth in Kontakt zu treten. Es begann ein reger Briefwechsel. Doch Oberth, der sich weltweit vielleicht als erster in einer Dissertation mit der Raumfahrt befasst hatte (1922/23), missfielen Valiers Vortragstätigkeit und seine populärwissenschaftlichen Bücher. Er stoppte in der Folge die Pläne der gemeinsamen Unternehmungen, die Ansichten der beiden über die Vorgangsweise gingen ziemlich auseinander, Valiers Experimente waren Oberth zu gefährlich.
Max Valier hat in dieser Zeit einen Aufsatz geschrieben, „Vom Flugzeug zum Weltraumschiff“, in dem er das vierstufige Entwickungsprogramm seines Raketenflugs vorstellt:

    * 1. Prüfstandsuche für die Weiterentwicklung der bekannten Pulverraketen und Modellversuche
      2. Erprobung des Raketenantriebs an Landfahrzeugen (Raketenauto, Raketenschlitten, Raketenschienenwagen)
      3. Entwicklung eines Flüssiggasraketentriebwerks für den Einsatz in Flugzeugen
      4. Bau von Stratosphärenflugzeugen und später von Weltraumraketen

Valier kam bis zu Punkt 3.
Im Deutschen Museum München zu sehen: Der Raketenschlitten und der Raketenwagen von Max Valier aus dem Jahr 1929 sind seltene und sehr wertvolle Exponate aus der Pionierzeit der Raketenentwicklung. Ein Nachbau zeigt die Flüssigkeitsrakete des Amerikaners Robert Goddard (1926), die erste, mit der ein Flug gelungen war, sowie die erste in Europa gestartete Flüssigkeitsrakete von Johannes Winkler (1931).
Volkssternwarte Max Valier In Südtirol gibt es seit 1998 den Verein der „Amateurastronomen Max Valier“. An die 130 Vereinsmitglieder haben es sich zum Ziel gesetzt, die Kenntnisse der Astronomie zu fördern, sich mit der Geschichte Valiers auseinanderzusetzen und sein Wissen zu verbreiten. Vor wenigen Jahren haben sie die Idee einer Sternwarte erfolgreich voran getrieben und es geschafft, auf 1.350 m Höhe in Obergummer/Gemeinde Karneid am Eingang des Eggentals die erste und einzige Sternwarte Südtirols zu errichten (Baubeginn 2000/Inbetriebnahme 12. September 2002). Die „Volkssternwarte Max Valier“ wurde mit der finanziellen Unterstützung der Südtiroler Landesregierung und der Stiftung Südtiroler Sparkasse erbaut und wird vom Verein geführt (wöchentliche Beobachtungsabende für die Öffentlichkeit, rege Vortrags- und Kurstätigkeit).


Was wenige wissen, ist die Tatsache, dass einige der handelsüblichen drehbahren Sternkarten von Valier entwickelt wurden. Er hatte die Idee, eine praktische Sternkarte zur Orientierung am Himmelszelt zu schaffen, mit der man sich zeitlich und räumlich auf 360° beim Betrachten des Sternenhimmels zurecht finden sollte, und er wollte diese auch kommerziell verwerten.

In memoriam Max Valier

In memoriam Max Valier


Das Franziskanergymnasium Bozen erinnert sich: Eine Gedenkveranstaltung im Mai 2002, Valier gewidmet und in Zusammenarbeit mit dem Kuratorium für technische Kulturgüter organisiert, ließ den Weltraumpionier hochleben, aber auch seine „alte Schule“. Max hatte um 1910 das Franziskanergymnasium besucht, bevor er sein Universitätsstudium in Innsbruck und Wien aufnahm.
Die Franziskanerschule in der Bozner Vintlerstraße war sein Revier, hier hat er auf der Dachterrasse das (heute noch funktionierende) Teleskop in den Sternenhimmel gerichtet und davon geträumt, in den All zu fliegen, hier hat er seinen ersten Förderer gefunden, den Griechischlehrer Pater Joachim. Auch das physikalische Kabinett, das nach dem Umbau 2003/2004 nicht mehr zugänglich, aber im neuen Schulmuseumskonzept integriert worden ist, muss sein Reich gewesen sein.
Eine Schülerplakataktion im Mai 2002 zeigte Valier mit einem Raketenschlitten, dem Rak-Bob 1, darin seine Frau Hedwig und daneben Zitate aus Schüleraufsätzen über den „Mitschüler Max Valier“. In einem interdisziplinären Schulprojekt beschäftigten sich heutige Franziskaner-MittelschülerInnen mit Valiers Forschungsdrang, seinen Gedanken und frühen Tüfteleien. Dabei kamen auch kuriose Aussagen zum Vorschein, so die Zeilen einer Mittelschülerin, Nora Seppi, die Valiers Schulzeit am Franziskanergymnasium mit Ironie auf den Punkt bringt: „Heute geschah etwas sehr Witziges. Während der Schulstunde bastelte Max an einem 2 cm langen Raketenauto herum. Er zündete es und es flitzte direkt zum Fenster hinaus, das glücklicherweise geöffnet war.“


Willibald Hopfgartner Willibald Hopfgartner, Franziskanerpater und Philosophielehrer, überlegt warum Max Valier wohl ein „typischer Fränzischüler“ ist: Die Ordenstradition der Franziskaner gibt der Begeisterung den Vorrang vor dem Wissen, fördert die Intelligenz, aber noch mehr den Enthusiasmus beim Hinterfragen und Nachbohren. Max‘ technische Begeisterung, seine Freude an der Erkenntnis bettet Hopfgartner in die Schultradition ein. Dies unterstreicht aus persönlicher Sicht auch der Südtiroler Weltraumexperte Klaus Heiss, der an der Bozner Gedenkveranstaltung 2002 teilnahm und selbst ehemaliger Franziskanerschüler in Bozen ist, heute als international anerkannte Kapazität in seinem Bereich gehandelt und als Berater der NASA in den USA tätig ist. Was für Valier der Franziskanerpater Joachim, war für Heiss der Mathematiklehrer Pater Justus 50 Jahre später: Die Institution Franziskanergymnasium unterstützte seinen Wissensdurst und setzte Maßstäbe für spätere Errungenschaften. Heiss beschäftigte sich später, während seines Universitätsstudiums in Wien, mit mathematischen Spieltheorien, lernte dort Oskar Morgenstern und dessen Assistenten John von Neumann kennen, die ihn in die USA lockten, wo er seinen Weg zu den US-Weltraumprogrammen beschritt. Und in der Bekanntschaft mit Neumann beobachtete Heiss wiederum Parallelen; dieser war in einem k.u.k.

Franziskanergymnasium in Budapest zur Schule gegangen, aus dem Dutzende von Nobelpreisträgern verschiedener Wissensbereiche kamen. Die Kombination von Theorie und Praxis, das frühe Stimulieren der Begeisterungsfähigkeit bringt Früchte...
Raketenversuch im Franziskanergymnasium; Schüleraktion

Hommage

Hommage der Experten


Gedenkveranstaltung im Franziskanergymnasium „Unser Schüler Max Valier 1895-1930“ lautete das Motto der Gedenkveranstaltung vom 15. - 17. Mai 2002 mit Filmvorführungen, Referaten, Führungen durch die historischen Lehrmittelräume für Naturkunde und Physik und Podiumsdiskussionen. Organisiert wurde sie vom Kuratorium für technische Kulturgüter gemeinsam mit der Franziskanerschule und der Stadtgemeinde Bozen.

Die Hommage à Valier stand im Zeichen von Experten- und Zeitzeugengesprächen und widmete sich der Rolle des Rakentenpioniers für die Raumfahrt und dem Erinnern an einen großen Bozner Franziskanerschüler. Neben Gottfried Mumelter, Mitschüler und bester Freund von Valiers Neffen Willy, selbst Franziskanerschüler in den 30er Jahren, den Hobbyastronomen Oskar Eheim und Siegfried Steinegger des Vereins „Max Valier“, dem Valier Nachfahren Gotthard Valier aus Innsbruck, einigen SchülerInnen des Franziskanergymnasiums, traten die Stargäste aus Rom und Washington auf: Klaus Heiss, Weltraumforscher in den USA mit Brixner Wurzeln, der Admiral Giorgio Capra vom italienischen Verteidigungsministerium und Gabriele Peraldo Bertinet, Co-Direktor der italienischen Raumfahrtbehörde Telespazio und erster italienischer Astronaut-Kandidat.
die Stargäste


Die Abendveranstaltungen an der Bozner Franziskanerschule fanden breites Echo, die Bozner Eliteschule gelangte mit ihren musealen Kostbarkeiten im naturkundlichen und physikalischen Kabinett ins Rampenlicht der Medien, auch wurden die am Valier-Projekt beteiligten Schüler eingebunden, indem sie ihre Aufsätze „Mein Mitschüler Max“ vorlasen und ihre tiefe Betroffenheit mit dem Schicksal von Max Valier und ihre Bewunderung für den frühen Tüftler zum Ausdruck brachten. Die erste Bozner Gedenkfeier zu Ehren Max Valier bot auch den Anlass zu einer gelungenen Film-Produktion: „Der Flug von Max“, ein Dokumentarfilm über das Leben und Werken des Südtiroler Pioniers und Erfinders, der sich auch mit seinen Jugendjahren und Lebensträumen befasst. Unter der Regie des Zelig-Schülers Lino Signorato, der auch Aufnahmeleitung und Schnitt betreute, und mit Hilfe der wissenschaftlichen Beratung des Bozner Historikers und Italienischlehrer am Franziskanergymnasium Giorgio Mezzalira entstand 2001 eine kompakte filmische Bearbeitung mit vielen historischen Aufnahmen, Fotos aus den verschiedenen Privatsammlungen und Zeitzeugenaussagen aus dem In- und Ausland. Zeitgleich mit den Feierlichkeiten im Mai 2002 wurde in Kastelbell/Vinschgau eine Retrospektive des 1968 verstorbenen Künstlers und Valier Neffen Willy Valier gezeigt, die vor allem die Bewunderung des jungen Zeichners für den Raketenbau und die abenteuerlichen Taten des Onkels zum Ausdruck bringt.


Publikum bei der Gedenkveranstaltung im Mai 2002 Eine Nachbearbeitung der Großveranstaltung brachte am 12. November 2002 die Übergabe von zwei Bild- und Tonträgern an das Kulturassessorat/Landesamt für Audiovisuelle Medien, gedacht als Unterrichtsmaterial für Schulen und Bildungseinrichtungen: ein Video-Zusammenschnitt der Auftritte in memoriam Max Valier von Elisabeth Baumgartner und Lino Signorato und eine DVD mit sensationellen Bildern aus dem Weltall des Weltraumforschers Klaus Heiss.

Valiers von heute

Valiers von heute


Vordenker sein heißt einen Traum haben, eine gewisse Art von Naivität und Vertrauen an den Tag legen, und es bedeutet, stur genug sein im konsequenten Verfolgen der eigenen Ideen. Diese Fähigkeiten besaß Max Valier und wie er auch andere herausragende Persönlichkeiten, auch der Gegenwart. So die hochkarätigen Experten, die an der Gedenkveranstaltung im Mai 2002 in Bozen teilnahmen.
Gabriele Peraldo Bertinet Gabriele Peraldo Bertinet, der erste designierte Astronaut aus Italien, Codirektor der Gesellschaft Telespazio, berichtete von den italienischen Plänen im Weltraum, von der Zusammenarbeit mit den Amerikanern und dem nicht mehr wegzudenkenden Einsatz der Satelliten – als Beispiel jüngerer technischer Errungenschaften – in der Telekommunikation. Anwendungen finden diese in der Übertragung von Fußballspielen oder der Vorhersage des Wetters und in der Beobachtung von Umwelteinflüssen auf die Erde – alles Selbstverständlichkeiten im modernen Alltag, in Forschung und Entwicklung, aber bis vor kurzem unrealistische Visionen einzelner „Spinner“.
Giorgio Capra Giorgio Capra, Admiral des Flugzeugträgers Garibaldi, Berater des Verteidigungsministeriums für Forschungsprogramme im Bereich der Abwehr von Raketensystemen, sprach von technischen Innovationen in Kriegs- und Friedenszeiten. Klaus Peter Heiss Klaus Peter Heiss ist Südtirols Paradebeispiel eines erfolgreichen Pioniers, der auszog, um zu lernen und das Lernen und Erforschen zu seinem Beruf und damit international Karriere machte. Der heutige Nasa-Experte wurde 1941 in Brixen geboren, ging am Franziskanergymnasium zur Schule, studierte in Wien, dann an der Bocconi in Mailand und schließlich in Princeton/USA. Bis 1973 war er der Leiter der mathematischen Forschungsabteilung der Universität Princeton unter Professor Oskar Morgenstern. (Der aus politischen Gründen in den USA emigrierte Ökonom Oskar Morgenstern und der herausragende Mathematiker und Physiker John von Neumann schrieben 1944 gemeinsam das Standardwerk "Spieltheorie und wirtschaftliches Verhalten" und schufen damit die Grundlage für die Anwendung der Spieltheorie in den Wirtschaftswissenschaften.) Heute ist Heiss Weltraumexperte von internationalem Ruf, war Leiter der ersten amerikanischen Space-Shuttle-Pläne und Mitbegründer der Wissenschaftler-Vereinigung „High Frontier“, des „Columbus 500 Space Sail Cup“ sowie weiterer Weltraum-Pionierprojekte. Er ist auch beteiligt an SPARX, der ersten privaten Fernerkundungsgesellschaft für Weltraumsonden. Der gefragte Berater der NASA erhielt 1981 den Nasa Public Service Award.

Sein Traum? Er hat sich dem Gedanken an bemannte Weltraumexpeditionen zum Mond verschrieben, will den Mond als Fernbeobachtungsstation der Erde nutzen, für Umweltmessungen, Ozonbeobachtungen und genauere Wettervorhersagen, aber vor allem als Energielieferant für die Erde mit Hilfe von Solaranlagen. Die Sonne liefert nämlich in nur zehn Tagen so viel Energie auf dem Mond wie alle fossilen Reserven auf der Erde zusammen. Diese Art der Energiegewinnung durch eine saubere Fusion an der Mondoberfläche wird allerdings nur rentabel sein, sobald man in der Lage sein wird, Rohmaterial vom Mond dafür zu verwenden. Mittels Mikrowellen soll die Energie zur Erde gesandt werden, wo sie dann in Elektrizität umgewandelt wird. Auch glaubt der Brixner Weltraumpionier, dass menschliches Leben auf dem Mond auf lange Sicht möglich ist, und zwar unabhängig von der Erde. Heute eine Vision und morgen? Im Moment arbeitet Heiss an einem Modell für eine erste Mondbasis.

Was bisher nur wenige Eingeweihte wussten: Klaus Heiss war in den frühen 80er Jahren öfter in Südtirol auf geheimer Mission, bei Treffen der „European Defense Initiative“. Unter absoluter Geheimhaltung und Bewachung fanden mehrere internationale Besprechungen in Castel Freiberg/Meran und auf Kematen/Ritten statt. Hier wurde auch das SDI (the Strategic Defense Initiative) konzipiert, das 1983 gegründet wurde. In diesen und anderen Treffen wurden neue Weltraumfahrtprogramme erdacht und vor allem Abrüstungspläne geschmiedet, die später das Ende des Kalten Krieges, den Fall der Mauer und den Zusammenbruch der Sowjetunion antizipierten. 2001 trat Russland dem SDI-Programm bei, einem Pakt, dem wir heute die Abrüstung auf 1500 nukleare Köpfe verdanken. Lokalkolorit am Rande: Christoph Ammon half beim Organisieren der Südtiroler Geheimtreffen mit.
Anlässlich der Valier-Gedenktage zeigte Heiss bisher zum Teil unveröffentlichte Weltraumbilder der Nasa, um die Geschichte der Weltraumfahrt vorzuführen. Von den ersten Shuttle-Versuchen 1970/71/72 und 73 (mit Feststoff und nicht mit Wasserstoff, wie Heiss geraten hatte) über die erste Landung 1981, die unter Heiss‘ Leitung geplant und durchgeführt wurden bis zu den bemannten Raumfahrten. Dabei ließ er auch die Verteidigungsanwendungen nicht aus, kommentierte ironisch die dreidimensionalen und vielfach multispektralen Aufnahmen von der Erde und dem All, die Astronautenbilder, Satellitenbilder und vielen Perspektivenwechsel, die Krater (auch den, der vermutlich vom Asteroiden verursacht wurde, durch dessen Hand die Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren ausstarben und der sich heute im Golf von Mexiko nördlich der Yukatan-Halbinsel befindet)... die menschliche Geschichte eines Traums. Heiss‘ Meinung nach hatte Max Valier die zündende Idee, ist der Ursprung der Raumfahrt maßgeblich von Valier beeinflusst worden; das beweisen auch einige Valier-Zeichnungen, die später der amerikanische Weltraum-Guru Wernher von Braun in einem Memorandum an den amerikanischen Präsidenten verwertete und die im Prinzip schon die ersten Shuttle-Missionen andeuteten.
Mexico fires around vulcano st

In Heiss‘ bebilderten Erzählungen wird die Sonne als Hauptverursacher des Wetters und des Klimas gezeigt, ihr magnetisches Feld ist laut Heiss für die Erderwärmung verantwortlich; die Kenntnisse darüber sind allerdings noch zu vertiefen. Den Mond sieht Heiss als Grundlage der Macht im Weltall, denn die Theorie vom unabhängigen Leben auf dem Mond und des Mondes als Energiequelle der Zukunft wird die Menschheit die nächsten Jahrzehnte beschäftigen. Daneben auch die Frage, wie man mit wenig Ressourcen gut leben kann, ein Dilemma, das sich nur am Mond in der Praxis lösen lässt. Als zweite Vision der heutigen Weltraumfahrt nannte Heiss das Verlassen des Sonnensystems mit einem Sonnensegel (mit Ionenantrieb), das Durchbrechen unserer bisherigen menschlichen Wissensgrenzen.

Die Umsetzung der meisten technologischen Innovationen bedarf einer Vielzahl, oft Tausender von Wissenschaftlern und PCs, das hat die Geschichte gezeigt. Doch die Ideen zu den Großtaten und –erfindungen der Technik stammten immer schon und stammen heute noch von Individuen, Menschen wie Max Valier.


Sternbetrachtung am Dach des Franziskanergymnasiums; von links Elisabeth Baumgartner und Wittfrieda vom Kuratorium, Klaus Peter Heiss Mitte, Gottfried Mumelter rechts

Weiterschmokern

Nützliche Adressen zum Thema Weltraumfahrt:


    www.deutsches-museum.de
    www.maxvalier.org
    www.sternwarte.it
    www.oberth-museum.org
    www.urbin.de (Geschichte der bemannten Raumfahrt)
    http://spaceflight.nasa.gov
    www.astronautix.com
    www.popular-science.net

Literatur:


    * "Max Valier, ein Pionier der Raumfahrt" von Ida Essers, Athesia Bozen, 1980.
    * "Max Valier: ein Vorkämpfer der Weltraumfahrt" von Ida Essers, Düsseldorf: VDI-Verlag, 1968.
    * "Ein Leben für eine Idee: der Raketenpionier Max Valier" von Walter G. Brandecker, Stuttgart: Union-Verlag, 1961.
    * "Vor hundert Jahren... wurde Max Valier geboren" von Fin Reck. In: "Südtirol in Wort und Bild" 1994/95 (S. 4-11).
    * "Meine Begegnung mit Max Valier" von Fin Reck. In: "Südtirol in Wort und Bild" 1980/83 (S. 23-25).
    * "Max Valier - Weltraumpionier: eine Skizze zu seinem 50. Todestag" von Eduard Widmoser. In: "Südtirol in Wort und Bild" 1980/83 (S. 9-14).
    * "Jugenderinnerungen an Max Valier" von Gottfried Hohenauer. In: "Beiträge zur Technikgeschichte Tirols" 1973 (S. 47-49).
    * 
    * "Der Sterngucker" von Max Valier. München: Verlag Natur und Kultur, 1922 (3. Auflage - 1. Auflage unter dem Titel "Sternbüchlein für jedermann").
    * "Raketenfahrt" von Max Valier. München: Oldenbourg, 1930 (2. Auflage und 6. Auflage von "Vorstoss in den Weltenraum: eine technische Möglichkeit)."

Orionnebel, Aufnahme der Amateurastronomen Pferdekopf, Aufnahme der Amateurastronomen

 

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