13/09/2005

Kraftwerk Kardaun

 

Das Technikjuwel


Ein Event der besonderen Art
Am 15. November 2003 luden das Kuratorium für technische Kulturgüter und die Etschwerke zur "Nacht der Soprane" ins Kraftwerk von Kardaun ein. Im Turbinenraum des aus dem Jahre 1901 stammenden Baus erklangen Highlights aus der Opernwelt, vorgetragen von Milena Rudiferia, Sabina Willeit und Manuela Demetz. Das Kraftwerk sollte vor dem Umbau noch einmal der Bevölkerung zugänglich gemacht werden.
"Die Soprane schweben auf einer Glasplatte über den gewaltigen, öligen Turbinen und Generatoren, die plötzlich langsam verstummen - ein Abschalten", so der Lichtberater Dieter Bartenbach.

Neugierig? Dann steigen Sie ein...

Das Technikjuwel aus der Pionierzeit Südtirols
Wenn an einem Ort seit über einem Jahrhundert Turbinen auf Hochtouren laufen, alte Messgeräte und Druckleitungen in voller Funktion sind, dann ist für Energie gesorgt. Seit über 100 Jahren ist das Kraftwerk von Kardaun am Eingang des Eggentals in Betrieb und zählt somit zu den Meisterwerken der Technikgeschichte Südtirols.

Als im Sommer 1901 das erste Kraftwerk im Bozner Raum von Kardaun aus in Betrieb geht und Tag und Nacht Zwölfmalgreien und später Gries mit der neuen Energie versorgt, ist damit ein Meilenstein in der Technikgeschichte Südtirols gelegt.
Das Besondere daran ist nicht allein der klare Hallenstil einer ersten Industriearchitektur, sondern im gleichen Maße auch die unterirdische Wasserleitung und der historische Maschinenpark am Eingang des wilden Eggentals. So steht das Kraftwerk von Kardaun als Meilenstein im Südtiroler Technikparcours.
Die gestalterischen und planerischen Qualitäten, die im Kraftwerk von Kardaun zum Tragen kommen, würde man heute vielleicht als "corporate design" bezeichnen.
Dem Rechnung tragend, wurde der Technikschauplatz in seiner geradezu elektrisierenden Ausstrahlung einer breiten Öffentlichkeit durch das Musikevent der "Nacht der Soprane" präsentiert.
 

Nacht der Soprane

 

Nacht der Soprane im Kraftwerk


Life mit dabei - mit Klick auf nebenstehendes Symbol gelangen sie zum Film.

Die Nacht der Soprane fand am 15. November 2003 im Kraftwerk von Kardaun statt. Die Veranstaltung wurde vom Kuratorium für technische Kulturgüter und von den Etschwerken durchgeführt. Wo sonst die Turbinen des Kraftwerks mit gewaltigem Rauschen und Heulen die Hallen füllen, ließen drei Soprane ihre Stimmen zu einem Fest der Musik und des Lichts erklingen: Milena Rudiferia, Sabina Willeit und Manuela Demetz belebten musikalisch und in Glamour und Erhabenheit die Motive des Wassers und der Energie. Die Glasplattenkonstruktion von Markus Scherer, die über den Turbinen installiert war, diente als nahezu schwebende Bühne der Soprane, welche High-Lights aus der Musikgeschichte vortrugen. Eine Lichtinstallation von Dieter Bartenbach rundete das Ganze als Schauspiel der hohen Töne und raffinierten Lichtspiele ab.

Ein suggestiver Ort kultureller Spurensicherung

Die künstlerische Installation am Schauplatz von Kardaun fordert zum Hinsehen auf. Gerade die besondere Auseinandersetzung mit der Geschichte der Jahrhundertwende drückt sich in der musikalisch und gestalterischen Bespielung des Ortes aus.

Im Glühen und Erglimmen der Lichtinstallation Dieter Bartenbachs wird die Kraft der Elektrizität wachgerufen und wiedergespiegelt.
Dabei strahlt das Licht über Aluminiumreflektoren blendungsfrei auf die Zuseher und erzeugt eine Wahrnehmung und ein psychologisches Bewusstsein, wo Raum und Zeit zurücktreten. "Was bleibt, ist Licht, Farbe und Musik." (Dieter Bartenbach)

Was hat ein Elektrizitätswerk mit Musik zu tun?

Hubert Stuppner (Komponist und Musikkritiker)

Das gebotene Programm, Gesangstücke aus Klassik und Romantik, tat gewiss nichts zur Sache, doch war dieses musikalische Happening an einem unüblichen Ort und vor dem Hintergrund eines maschinellen Environments dazu angetan, die Frage unserer Einstellung zu technischen Kulturgütern zu definieren, uns sinnlich und damit ästhetisch zu sensibilisieren, nicht nur im Bezug auf die Interaktion von Elektrizität und Musikinstrumenten, sondern auch im Hinblick auf die von Metall und rotierender Mechanik erzeugten Neuorientierung der Musik "im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit" (Walter Benjamin).
(...)
Auf diese Weise werden wir der Wechselwirkung von Kunst und Künstlichkeit, von Maschine und Machwerk, von Energie und Bewegung inne, die bis heute die Musik im Zeitalter der Technik positiv oder negativ kennzeichnet.
"Für die Turbinen, die im Kraftwerk von Kardaun aus ökonomischen Gründen erneuert werden sollen, war das Konzert am 15. November ein Abgesang mit Aufbruchstimmung; für die Zuschauer jedoch, die sich mit Respekt vor der überholten Technik und mit interesse für die drei Soprane einfanden, ein Augenblick der Neudefinition von Kunst im Umgang mit Technik, die zum alten Eisen gehören." (Hubert Stuppner)

Die an Drahlseilen aufgehängte Glasplatte trägt die Soprane mit dem Pianisten und dem Flügel über Publikum und Turbinen. Der dadurch erzeugte Schwebecharakter soll im Gegenzug zu den schweren, gewaltigen Turbinen stehen und ein Spannungsverhältnis erzeugen.

Auf dem musikalischen Programm standen Stücke von Giuseppe Verdi, Alfredo Catalani, Jacques Offenbach, Vincenzo Bellini, Franz von Suppè, Emmerich Kàlmàn und Johann Strauss.

Klar und linear antwortet die Bühneninszenierung der Geometrie und funktionalen Schlichtheit der Kraftwerkarchitektur.


Kardaun stand bei diesem Event unter einem besonderen Gesichtspunkt im Rampenlicht: Als Teil des Themenparcours der Technikkulturmeile gehört es zu den ausgewählten technikgeschichtlich interessanten Objekten Südtirols, welche die Bereiche Elektrizität und Transporte sowie Pioniersbauten umfassen.
Die Objekte der Technikkulturmeile spielen teilweise innerhalb von Veranstaltungen und kulturellen Ereignissen eine zentrale Rolle, genauso aber können sie auch besichtigt werden, und sind zugleich an einem einzigen Ort, nämlich im virtuellen Technikmuseum im Internet zusammengefasst.

Unmittelbarer Anlass für Kardaun sind die umfangreichen Sanierungsarbeiten, die mit dem kommenden Frühjahr beginnen und das funktionierende Kraftwerk wieder effizient machen sollen. Im Anschluss daran ist geplant, im Kraftwerk , dem ältesten im Bozner Raum, besucherorientierte Akzente zu setzen.

Daher wurde bereits bei der Gestaltung der Inszenierung auf die Besuchertauglichkeit des Werks Rücksicht genommen. So wird der Maschinenpark im Inneren, aber auch Teile der Außenfassade durch besondere Lichteffekte und Lichtspiele beleuchtet und soll so das Ereignis der Nacht der Soprane weiterhin präsent halten.

Es geht also in erster Linie um das Technik-Juwel, das zum Mittelpunkt eines Ereignisses wird und so als Kulturgut in unser Bewusstsein eindringt.
Somit soll die Veranstaltung selbst Anlass dazu sein, das Technik-Juwel zu dokumentieren, in einen aktuellen und zeitkritischen Kontext zu stellen, es neu zu erleben und ihm einen besonderen Stellenwert einzuräumen.
Der Ort steht nicht als ausgefallene Location einer Veranstaltung im Brennpunkt, sondern wird als Technikobjekt und Kulturgut thematisiert.

Ein erster Schwerpunkt in dieser Art wurde anlässlich des Kraftwerkskonzerts im Kavernenkraftwerk in Schluderns 2001 gesetzt. Für viele Vinschger erstmals Gelegenheit das ehemalige Edison-, heute Sel-Edison-Werk, zu betreten. Entdeckt wurde damals auch ein unbekanntes Plattnerfresko, das die Anlage im Schnitt nachzeichnet.
Die Landesregierung hat das Kuratorium mit der Einrichtung des Technikmuseums beauftragt, das im Winter online gehen wird.

Das Kraftwerk und sein Umfeld boten eine Veranstaltungsarena, die gekonnt mit Licht inszeniert eine suggestive Atmosphäre und gelebte Geschichte vermittelt. Die Bespielung durch Lichteffekte will den nachhaltigen Ereignischarakter unterstreichen.

Während im Kraftwerk die Lichter und der Gesang zu einem Gesamtwerk verschmelzen, wird das Ganze nach außen projizert; damit wird ein Bogen zwischen Architektur, Landschaft und musikalischem Ereignis gespannt.


Licht, Kraft und Musik als Leitthemen für eine Besucherkraftwerk – die Idee

Dieter Bartenbach (Lichtplaner)

Als wir mit dem Kuratorium die Idee zu dem Event der „Nacht der Soprane“ hatten, wollten wir auf keinen Fall etwas machen, das in Konkurrenz zu dem Gebäude und seinem historischen Wert treten sollte. Vielmehr war das Technikjuwel als solches Schwerpunkt und Inhalt der Veranstaltung. Die Idee war nunmehr, dass die Inszenierung für den Augenblick gemacht sein und den Raum sozusagen entmaterialisieren sollte: Das Ziel war also eine Bewusstmachung und eine vollkommene Umschaltung des Raummilieus.

Das sollte folgendermaßen realisiert werden: Wenn das Gebäude von außen betreten und betrachtet wird, sollte das gesamte Gebäude noch vollkommen unkompliziert beschienen sein, die Maschinen sollten noch laufen, der gewohnte alltägliche Verlauf in Gang sein; im Grunde sollte die natürliche, relativ kalte Stimmung vorherrschen, wie sie das Gebäude selbst in diesem momentanen Zustand vorgibt.

Sobald man das Gebäude dann betritt, treten die Turbinen allmählich zurück, sie verstummen, und das Licht von außen wird langsam zurückgeregelt, während sich aber zeitgleich die Intensität der Lichtspiele verstärkt und bis zum Glühen verdichtet. Dieser Prozess aber tritt in Gang, während die drei Soprane eine über den gewaltigen Turbinen schwebende Glasbühne betreten. Es erfolgt also ein kompletter Stimmungswechsel: Die drei Sängerinnen betreten die schwebende Bühne, die eine Art Glasbrücke auf hängenden Konstruktionen ist. Das ist sehr wichtig: ein Glasboden, der sozusagen unberührt im Raum bleibt, nur an Seilen hängt. Dann wird über einen großen Reflektor, der selbst entmaterialisierend wirkt, Licht in seiner ganzen Breite wiedergegeben. Der Reflektor ist eine Art Aluminium von großer Tiefenwirkung, der selbst wiederum keine Materialidentität besitzt. Vielmehr spiegelt sich einfach die Umgebung darin und erzeugt die Beleuchtung sowie die Lichtstimmung. Das farbige Licht, das durch den Reflektor wiedergegeben wird, steigert sich innerhalb einer halben Stunde etwa vom Rot allmählich hin zum bunten Bereich. Sobald dann der Gesang einsetzt, verdichtet sich die Intensität des Lichtes nochmals hin zum Purpurbereich.
Aber die Konzeption ist gewissermaßen die, dass man eine enorme Lichtintensität auf die Zuschauer reflektiert und in dem Moment, in dem die Lichtfülle kommt, treten in der Wahrnehmung und im psychologischen Bewusstsein sowohl Raum wie auch Zeit zurück. Was bleibt, ist Licht, Farbe und Musik.

Markus Scherer: „Glasschaukel“ für drei Sängerinnen und ein Klavier

Markus Scherer (Architekt)

Das Kraftwerk als Konzertschauplatz war eine sehr große Herausforderung, weil man sich auf unbekanntes Gebiet begab. Im Speziellen war die Herausforderung bei diesem Kraftwerksprojekt die, mit minimalem Aufwand einen Gegenpol zu dem Hallenbau zu setzen, der eigenständig und präsent im Raum steht, ohne in diesen einzugreifen und ihn zu verändern.
Eine Bühne transparent wie Wasser
Die Umsetzung wurde folgendermaßen vom gesamten Planungsteam als Teamwork konzipiert. Die Lichtwand als Hintergrund sollte den Raum entmaterialisieren und die Sängerinnen sollten vor diesem Hintergrund in Erscheinung treten. Gerade dieses In-Erscheinung-Treten wurde als schwebendes Element verstanden und um das zu erreichen, haben wir eine Art Glasschaukel als Bühne erbaut, die über den Turbinen schwebt. Über den Turbinen, die sich unter dem Druck des Wassers zur Stromgewinnung drehen, -eine Bühne, transparent wie Wasser im Raum.

Die schwebende Bühne hat ein Ausmaß von 6x4 m und besteht aus einem Rahmen aus Stahl, der die Glasscheiben trägt. Diese Glasplatten haben eine Stärke von 4 cm und müssen das Gewicht der Sängerinnen und des Klaviers tragen, wobei allein das Klavier 370 kg wiegt. Die Glasplatte hängt an 4 Stahlseilen, die jeweils einen Durchmesser von 10 cm haben. Für die Statik zeichnete Giulio Lavoriero verantwortlich, die Metallarbeiten wurden von Metallbau Larcher, Lana, durchgeführt.

 

 

 

Hochspannung

 

Hochspannung zu Beginn des Jahrhunderts


Dass ein Teil der Stadt Bozen Jahrzehnte lang mit Wasser aus dem Eggental versorgt wurde, wissen vielleicht nur wenige. Auch dass die ersten Bügeleisen erst durch die Versorgung aus dem Kraftwerk von Kardaun zum Glimmen kamen, ist bei weitem nicht bekannt.

Dennoch: Das Kraftwerk von Kardaun am Eingang zum Eggental ist das erste und somit älteste Kleinkraftwerk in Südtirol. Schon wenige Jahre nach der Weltpremiere elektrischer Kraftübertragung 1882 sorgte das Kraftwerk von Kardaun dafür, dass auch in Südtirol ein für die damalige Zeit hoch kompliziertes und aufwendiges Hochspannungsnetz Strom in die Betriebe und Häuser brachte und den Abschied von Kerzen, Gaslicht und Petroleumlampe einläutete. Wasserschloss

Wasserschloss, Druckrohrleitung und Kraftzentrale in einer Aufnahme aus dem Jahr 1901. Heute findet man die Anlage nahezu unverändert.
Um die Jahrhundertwende wurde das Kraftwerk 1901 von den Gemeinden Gries und Zwölfmalgreien in einjähriger Bauzeit errichtet, beim Zusammenlegen der Gemeinden ist das Werk 1928 auf die Etschwerke übergegangen. Zur Kraftwerksanlage gehört ein kleiner Stausee, das Wasser fließt dort durch einen 2 km langen Stollen im Berg in einer Druckleitung zum Kraftwerk.
Bis zu 18 Millionen kWh produziert das Kraftwerk und versorgt damit eine größere Gemeinde von 15.000 Einwohnern mit Strom.

Das Kardaunerwerk ist ein architektonisches Juwel: Der Stil der Werkhalle, die Strukturen aus Porphyr-Quadern, zwei Peltron-Turbinen aus der Zwischenkriegszeit sowie alte Messgeräten und die alte Druckleitung zeichnen den Charme und die starke Prägung des modernen Fortschritts und der Neugründung zu Beginn des 19. Jahrhunderts, die sich mittlerweile auch einer gewissen Nostalgie erfreut. Ähnliche Bauweisen finden sich im Kraftwerk der Etschwerke auf der Töll bei Meran, in Schnals oder beim Kleinkraftwerk Karersee, das bereits Fremdenverkehrsgeschichte geschrieben hat. Sie alle zeichnen in ihrer Architektur eine abgeschlossene Epoche und darin erlangt doch jedes seine ganz individuelle Bedeutung.
In der MAschinenhalle
Petronturbinen der 30er Jahre
In der Maschinenhalle standen 1928 noch 4 Generatoren, die zusammen eine Leistung von 2250 PS lieferten. Im Zuge der Sanierungen im Jahre 2004 sollen die Turbinen ausgewechselt werden.

Für die nächste Zeit sind Umbau- und Sanierungsarbeiten im Plan. Die alte Druckleitung soll ausgetauscht werden, Renovierungsarbeiten am Wasserschloss und an der Außenfassade stehen an und einige der Maschinen sollen ausgetauscht und ersetzt werden. Was mit den alten Maschinen passiert, ist noch ungewiss.
Fest steht jedoch, dass nach den Umbauarbeiten das Kraftwerk einem breiten Publikum zugänglich sein und für Besuche offen stehen wird. Zudem wird das Kleinod der Industriegeschichte Südtirols Eingang in das virtuelle Technikmuseum finden.
Turbinen aus den 30er Jahren Das Kraftwerk von Kardaun ist ein Wasserkraftwerk und nutzt ein Gefälle von etwa 206 Metern.

Der Eggentalerbach wird durch eine Wasserfassung in Eggental in einem Klärbecken von etwa 100 000 Kubikmeter Wasser gesammelt.

Die Bauarbeiten begannen im März 1900. Ein Staudamm von 60 m Länge, 3 m Höhe und 4 m Tiefe fing damals das Wasser; er war in strengem Steinbau gefasst und mit 5 Beleuchtungskörpern, die aus der Steckdose gespeist wurden, versehen. Das gesammelte Wasser floss zunächst über eine offene Leitung von 3412 m zu einem Sammelbecken, von welchem es dann unter Druck in Rohre aus Stahlblech und Vernietungen geleitet wurde. Die Rohre waren ca. 417 m lang und hatten ein Gefälle von 208 m. Das Kraftwerk - ein klarer Bau in Steinquadern – wurde am Eingang des Eggentals beim sog. „Florkeller“ auf der linken Flussseite gebaut, etwa 700 Meter bevor der Eggenbach in den Eisack fließt. Von wenigen Neuerungen abgesehen, funktioniert das Kraftwerk nach wie vor mit denselben Vorrichtungen und Konstruktionen.
Das Kraftwerk wird nach wie vor von einem horizontalen, 4fachen gelagerten Maschinensatz betrieben. Die Maximalleistung lag einmal bei 2250 PS, wobei drei Maschinensätze bis zu 500 PS leisteten und einer ca. 750 PS. Die heutige Maximalleitung liegt bei 3200 kW, die mittlere Jahreserzeugung bei 18 Mio. kW/h.

Die Turbinen aus dem Jahr 1991, hergestellt von Pretto Escher Wyss, erreichen eine Leistung von 1600 kW bei einer Drehzahl von 500 pro Minute.

Die Generatoren sind Drehstrom-Synchron-Generatoren und stammen aus dem Jahr 1939 von ABB. Sie leiten bis zu 2000 kVA.

Die Transformatoren des Herstellers STEM haben eine Spannung von 3400 V und 16000 V sowie eine Leistung von 3000 kVA.

 

 

 

 

Touristische Attraktionen

 

Touristische Attraktionen


Nach Blumau

- Zwischen Blumau und Kardaun ist noch der 1314 vom Bozner Heinrich Kunter erbaute Weg durch die Schlucht des unteren Eisacktales teilweise erhalten. Er wurde vor kurzer Zeit instand gesetzt und markerit.
Von Kardaun aus folgt man der Markierung 2 neben der Bahnlinie und auf dem markeirten und beschilderten „Kuntersweg“. Über Gebüschhänge geht’s teilweise eben, dann auf- und absteigend bis zur Steinegger Straße und dann kurz hinunter nach Blumau. Der Weg ist leicht und lohnend.
- Mit demselben Start bis zur Abzweigung des „Kunterswegs“ führt eine weitere Wanderung über den breiten Weg 2 durch die Buschhänge ostwärts hinauf zur Jausenstation Ebenhof und auf Weg 2 weiter die Hänge querend nach Steinegg.
- Nach Steinegg führt auch ein weiterer Weg: Von Kardaun der Markierung 1 folgend südostwärts am Schloss Karneid und an Höfen vorbei hinauf zur Abzweigung der Markierung 4, dieser folgend zum Wiedenhof und über Waldhänge zum Weg 2 nach Steinegg.

Zum Kaserer Bild

Lohnend ist auch ein Ausflug zum „Kaserer Bild“, dem Kirchlein in einem Waldsattel zwischen der Steinegger Gegend und dem Eggental.
Dabei folgt man von Kardaun der Markierung 1, geht am Schloss Karneid in an Höfen vorbei südostwärts hinauf, dann in rund 900 m Höhe die Waldhänge nahezu eben querend und später in Kehren ansteigend zum Unterkaserhof bis zum Kirchlein.
Wer altes Kunstgut sucht, wird es in der nahegelegenen Kirche von St. Martin in Kampill finden:
Die heute zwischen Brennerautobahn und Staatsstraße „eingeklemmte“ Kirche hat ihr Aussehen des Spätmittelalters erstaunlich erhalten. Der Kernbau fand 1180 den Bauabschluss, 1303 waren wohl die Errichtung des Turms und die Einwölbung des Langhauses abgeschlossen.
Die Fresken stammen aus dem frühen 15. Jahrhundert und weisen auf eine ähnliche Malschule die Werkstatt Hans Stockingers in Terlan, welcher die Veroneser Malerei um Altichiero da Zevio zugrunde liegt.
St. Martin bietet einen sehr eigenständigen Charakter in der Kunst des internationalen Stils im Bozner Raum, der mehrfach in den Süden weist und von dort die Anregungen für Faltenfigurationen und Raumgebilde übernimmt.

 

 

 

Geschichte

 

Geschichtlicher Hintergrund

 


Nicht nur ein Großteil der Wasserversorgung wird seit mehr als 100 Jahren mit dem Wasser aus dem Eggental gespeist und funktioniert nach wie vor noch über das technische Meisterwerk der Eggentaler Wasserleitung. Auch die Versorgung von Energie aus eben diesem Eggentalerbach geht auf die Jahrhundertwende zurück, wo der Wasserreichtum und das natürliche Gefälle eine vorteilhafte Voraussetzung für den Fortschritt durch die Elektrizität boten und in Kardaun die ersten Anlagen für den Kraftwerkbau ermöglichten.
Das Kardaunerwerk zur Beginn des Jahrhunderts
Zur Zeit der Jahundertwende erzeugten 4 Turbinen bis zu 2250 PS Strom
Es ist Teil der Südtiroler Technikgeschichte, dass gerade Oskar von Miller, der spätere Gründer des Deutschen Museum, den Auftrag der Bauleitung für das Gesamtprojekt der Etschwerke von Bozen und Meran innehatte. Noch 1882 hatte er nachzuweisen versucht, „dass bei entsprechend hoher elektrischer Spannung eine beliebig große Leistung auf beliebig weite Entfernung mit beliebig dünnem Draht übertragen“ werden könne.
Schon am 16. September 1882 glückte in München ein noch unsicher geglaubtes Experiment und die ersten Glühfäden begannen zu glimmen: Die erste elektrische Kraftübertragung zwischen Erzeuger und räumlich weit getrenntem Verbraucher war erfolgt.
Es ließ Südtirol nicht lange auf sich warten: In Kardaun, am Eingang des Eggentals, sollte schon zur Jahrhundertwende die erste Energie aus Wasserantrieb gewonnen werden und damit schloss sich Südtirol dem Zeitalter der modernen Technik an.

Glühlampenkandelaber in Gries

1901/1902 ließen die Gemeinden Gries und Zwölfmalgreien am Eingang des Eggentals das erste Kraftwerk Südtirols erbauen – und es sollte das „Kardaunerwerk“ schlechthin bleiben, das bereits im August 1901 Energie ins Spannungsnetz schickte. Da die an der Brücke von St. Anton aneinander grenzenden Gemeinden Zwölfmalgreien und Gries gemeinsam im Eggental ein Wasser- und Elektrizitätswerk gebaut hatten, wurde 1901 zur Aufnahme der Leitungen der sogenannte „Kreuzersteg“ abgebrochen und die heutige St.-Anton-Brücke errichtet.
Während in Tirol meist Unternehmen der Monarchie mit den elektrischen Arbeiten beauftragt wurden, übergab man die Arbeiten für Kardaun der Schweizer Maschinenfabrik von Oerlikon. Für die Energieverteilung wurden zwei Hochspannungsmasten aus Holz errichtet, einer zur Licht-, der andere zur Stromversorgung; einen Teil des Stromnetzes verlegte man unter hohem Kostenaufwand verlegte unter die Erde.

Mit dem doppelten Stromversorgungsnetz, dem komplizierten Wasserkraftwerk sowie dem weit verzweigten unterirdischen Stromnetz stellte die damalige Energieanlage eine höchst ambitionierte und luxuriöse Einrichtung dar, die mitunter gar die Ressourcen der kleinen Gemeinde von Zwölfmalgreien sprengte.

1905 kam das damalige Werk von Zwölfmalgreien zur Gemeinde Gries, und damit verbunden war eine wesentliche Entlastung der finanziellen Auflagen; die Zusammenlegung von Bozen und Meran, wie sie der Bozner Bürgermeister Julius Perathoner 1912 vorgeschlagen hatte, blieb allerdings nur ein kurzlebiger Wunsch.

Im Jahr 1925 wurden die Gemeinden Zwölfmalgreien und Bozen zusammengelegt und mit dem 1. Januar 1928 ging das Kardaunerwerk auf die Etschwerke über, die fortan auch AEC (Azienda Elettrica Consorziale delle Città di Bolzano e Merano) heißen sollten.
1928 produzierten die Etschwerke insgesamt 5.930.000 KW, und im Jahr darauf waren es schon 3.270.000 KW. Am 23. März 1931 wurden die Etschwerke vom Minister der Öffentlichen Arbeit bevollmächtigt, die Leistungskapazität auf 1.068 Liter pro Sekunde bis zu 1.800 Liter und mit den neuen Turbinen auf 3.043 PS zu erhöhen.

1937 entschied sich die AEC für die Errichtung einer Absperrung im Eggental, mit welcher Ingenieur Marco Semenza beauftragt wurde. Die Pläne des Mailänders sahen einen 18 Meter hohen Damm vor sowie ein Auffangbecken, welches wöchentlich bis zu 100 000 Kubikmeter des übertretenden Gletscherwassers fassen sollte. Im August wurden die Arbeiten der Firma Fratelli Mondelli aus Bozen übergeben und 1939 fanden alle Arbeiten einen Abschluss.

Die Bau- und Renovierungsarbeiten, welche die AEC in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts vorgenommen hatten, haben die grundlegende und wesentliche Grundstruktur des Kraftwerks von Bozen/Kardaun gelegt, die bis heute das gleiche Gesicht trägt.
In den 60er und 70er Jahren wurden die technischen Anlagen und Vorrichtungen verbessert oder geändert. Die Produktion liegt zwischen 18 und 20 kWh.
Hochspannungsleitungen, die aus der Zentrale nach draußen führen
Apparatenanlage
Hochspannungsleitungen, die aus der Kraftzentrale nach außen führen, und Apparatenanlage zur Zeit der Jahrhundertwende
 

Baubeschreibung

 

 

 

Baubeschreibung


 Das Kraftwerk von Kardaun befinden sich am Eingang des Eggentals und wird ebendort vom Eggentaler Bach gespeist.

Es erhebt sich auf rechteckigem, langgestrecktem Grundriss und wird von einem Satteldach abgeschlossen. Talseitig schließt sich ein Giebelvorbau an.

Die Quader aus Porphyr aus dem nahe gelegenen Steinbruch an der Eggentaler Straße und aus Dolomitgestein geben dem Gebäude eine besondere lokale Färbung: verweisen doch beide Gesteine auf ihre spezielle örtliche Zugehörigkeit der Bozner bzw. Südtiroler Landschaft.
außenfassade

Die bossierten Fensterrahmungen, die gewölbten Fenstergesimse aus Porphyrgestein, die bossierten Eckrisaliten, die sich in horizontalen Lisenen sowie in die Giebelendung fortsetzen, charakterisieren die Einfachheit und Klarheit des Industriegebäudes. So unterstreichen auch die Einfachverglasungen in Stahlkonstruktion sowie das Holzportal mit Oberlicht noch einmal den klaren Stil der Hallenarchitektur.
Das Kraftwerk von Kardaun schließt sich den denkmalgeschützten Kraftwerken auf der Töll bei Meran oder in Schnals an, die allesamt eine sehr einheitliche und typische Industriearchitektur der Jahrhundertwende in Südtirol markieren. Bemerkenswert ist dabei, dass sich solche Bauten, die in erster Linie durch ihre Funktionalität und Klarheit in der Ästhetik gekennzeichnet sind, bewusst und eindeutig abheben von der alpinen, bäuerlichen Architektur der Umgebung. Angeregt durch den Pioniergeist und technischen Fortschrittglauben, definieren sie sich in der Zurichtung auf einen lange andauernden Bestand und feste historische Gültigkeit. Dementsprechend sind sie tatsächlich zum großen Teil noch in sehr guter Funktion und beweisen, dass sie in der puristischen Zweckgebundenheit auf eine lange Dauer hin entworfen sind und nicht zuletzt eine gewisse repräsentative Ausdruckskraft technischer Pionierarbeit haben.
kraftwerk historisch Das Kraftwerk von Kardaun lehnt sich wie die alten Bahnhöfe und andere Kraftwerke in Südtirol auch an die Architektur der k.u.k.- Monarchie an: Nicht nur die repräsentative Funktion erinnert an die Zugehörigkeit zum Königreich, vielmehr wollte man den Gästen und Reisenden, die in Südtirol auf Durchzug waren, das Gefühl eines gewissen Wohlstands und konfortabler Lebensqualität bieten, so wie sie das Bildungs- und Handelsbürgertum sowie die Habsburger Salongesellschaft gewohnt war.
 

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